|
|
Liebe Schulgemeinde,
am 8. Mai 2010 hat im Rahmen der sog. Oberland Challange der Mailauf durchs Isartal stattgefunden.
Eine Schar von Schäftlarnern war mit von der Partie und hat das Kloster ehrenhaft repräsentiert !
Es ging nicht um die besten Zeiten, sondern allein um die Teilnahme und den Spaß !
Wir freuen uns auf lebhafte Teilnahme im nächsten Jahr und als hoffentlich Vorgeschmack hier ein paar Bilder vom Lauf.
Dank an alle, die mitgemacht haben!

Link zum Veranstalter mit vielen Fotos: http://www.mailauf-isartal.de/
Jungs in der Krise
“Sie wollen alles sein, bloß kein weibischer Streber”
ddp
Grundschüler: “Alle haben gedacht, die Jungs sind stark, die schaffen das von selbst”
Ihre Lernmotivation ist mau, in der Schule schwächeln sie und verfallen oft in Macho-Posen: Was ist bloß mit den Jungs los? Im SPIEGEL-ONLINE-Interview erklärt Jugendforscher Klaus Hurrelmann, warum Schülerinnen die Schüler abhängen – und was Lehrer tun können.
SPIEGEL ONLINE: Herr Hurrelmann, Sie haben Ihre Kindheit und Jugend in den vierziger und fünfziger Jahren erlebt. Sind Sie froh, nicht heute erst Grundschüler zu sein?
Klaus Hurrelmann: Allerdings. In unserer Familie war es nicht üblich, dass jemand auf eine höhere Schule geht, ich habe das geschafft – obwohl mich das schon damals in Konflikte brachte. Selbst mein Vater bezeichnete mich als Streber. In den letzten Jahrzehnten ist das Image von erarbeitetem Bildungserfolg unter Jungen derart gesunken, dass keiner mehr ein Streber sein will. So extrem war das damals nicht.
SPIEGEL ONLINE: Heute verlassen Jungen die Schule fast doppelt so häufig wie die Mädchen, schaffen es seltener auf das Gymnasium und sind zunehmend auch an den Universitäten in der Unterzahl.
Hurrelmann: Seit 1980 ist die Entwicklung in Statistiken deutlich erkennbar: Die Schere geht auseinander, die Mädchen werden immer stärker, während die schulischen Leistungen der Jungen erst stagnierten und zuletzt sogar leicht abfielen. Zugleich sind strebsame Jungen unter ihresgleichen nicht gut gelitten: Wer viel investiert in der Schule, ist auf dem falschen Weg, meinen die Kumpels.
SPIEGEL ONLINE: Haben Sie dafür eine Erklärung?
Hurrelmann: Die meisten orientieren sich an der traditionellen Männerrolle, an der Haltung des Vaters und des Großvaters: Die angestammte Position für Männer ist die des Berufstätigen. Und viele Jungen denken, dass diese Position ihnen quasi automatisch zufällt. Es ist ihnen nicht genügend bewusst, dass sie heute mehr für ihre Bildung tun müssen, wollen sie den Status des Vaters halten oder ihn gar übertreffen.
SPIEGEL ONLINE: Wie kommt das?
Hurrelmann: Arbeitsplätze werden knapp, der Wettbewerb wird schärfer. Den Jungen fehlt die Motivation, hier mitzuhalten. Eine naheliegende Vermutung ist, dass die veränderte Zusammensetzung der Lehrerschaft hier hineinspielt. Seit 1980 ist der Frauenanteil unter Lehrern spürbar angestiegen, heute liegt er bei fast 60 Prozent. Aber einige Untersuchungen zeigen: Das scheint kein wirklich ausschlaggebender Faktor zu sein.
SPIEGEL ONLINE: Dabei verläuft die Entwicklung doch parallel: Während der Anteil der Lehrerinnen stieg, sanken die Leistungen der Jungen im Vergleich zu den Mädchen. Zufall?
Hurrelmann: Nicht ganz. Der höhere Lehrerinnenanteil drückt ein verändertes Selbstverständnis von Frauen im Beruf aus. Die Mädchen und jungen Frauen sind von ihrer Müttergeneration darauf gestoßen worden, dass sie den Beruf in ihr Rollenrepertoire aufnehmen sollten. 80 Prozent der 12- bis 25-jährigen Frauen wollen, wie wir aus den Shell-Jugendstudien wissen, beides: Beruf und Familie. Bei Männern sind es nur halb so viele. Junge Frauen haben also ein ehrgeizigeres Lebenskonzept und sind zur Flexibilität bereit. Junge Männer verschlafen die neuen Herausforderungen und werden wohl auch von den Lehrkräften zu wenig stimuliert.
SPIEGEL ONLINE: Auffällig ist, dass Jungen vor allem beim Lesen schwächeln…
Hurrelmann: Seit Jahrzehnten schneiden Mädchen hier besser ab als Jungs. Es ist also kein neues Phänomen, wird aber zunehmend zum Problem: Lange Zeit haben wir in Bildung und Beruf die Bedeutung der Lese-, Schreib- und Sprachkompetenz unterschätzt. Aber das ist falsch, es ist heute eine absolute Basiskompetenz.
SPIEGEL ONLINE: Im Zeitalter der Industrie waren Kraft und Durchsetzungsvermögen gefragt, heute kann man in kaum einer Branche mehr ohne Kommunikationsfähigkeiten etwas erreichen. Haben Jungen in der Dienstleistungsgesellschaft per se eine schlechtere Ausgangsposition?
Hurrelmann: Die Fähigkeit, Netzwerke zu bilden und über Kommunikation zusammenzuhalten, ist wichtiger denn je. Das kommt Frauen von ihrem Naturell her entgehen: Sie haben ihre Stärken in Sprache und Kommunikation. Hier müssen wir Jungen besser fördern. Wir müssen die gleiche kompensatorische Strategie fahren, die bei den Mädchen in den letzten 30 Jahren erfolgreich war. Seit den siebziger Jahren wurden sie für Themen begeistert, die davor eine Männerdomäne waren: Technik, Mathematik, logisches Denken. Das hat gewirkt, die Mädchen sind heute nahe dran, die Jungen in diesen Bereichen einzuholen. Wir haben aber vergessen, auch für die Jungen eine solche gezielte Förderung in den Bereichen zu machen, in denen sie ihre Schwächen haben. Alle haben gedacht: Die Jungs sind stark, die schaffen das von selbst. Heute wissen wir: Das war falsch.
2. Teil: “Viele Jungs holen sich die große weite Welt lieber auf den Bildschirm”
SPIEGEL ONLINE: Sie sagen aber auch, dass nicht nur die Sprachkompetenz fehlt, sondern auch das Rollenverständnis der Jungen ein Problem ist. Wie kann das gedreht werden?
Hurrelmann: Ziel muss es sein, den Jungen in der Schule erst einmal die Sicherheit zu geben, dass sie männlich sein dürfen und sollen. Alle Lehrkräfte, ob Männer oder Frauen, sollten darin geschult werden, dass sich Jungen selbstbewusst entfalten können. Jungen setzen nun mal gerne klare soziale und körperliche Duftnoten, verhalten sich schon mal laut und auffällig, haben mehr Aggressionen. Sie dürfen nicht immer nur die Ansage bekommen, ihr Verhalten sei falsch. Im Rahmen ganz klarer Regeln und Sanktionen sollte das in der Schule zugelassen werden. Ich denke, das können auch weibliche Lehrkräfte bewerkstelligen, aber wenn wir einer dauerhaften Feminisierung der Umgangsformen entgehen wollen, gehören gleich viele männliche Lehrkräfte in jede Schule und in jeden Kindergarten. Nur so kann es gelingen, junge Männer aus ihrer engen traditionellen Geschlechtsrolle herauszulocken.
SPIEGEL ONLINE: Es ist immer die Rede von der Krise der Jungen, also einem reinen Geschlechterphänomen. Dabei fällt doch auf, dass vor allem Jungen aus schwachen sozialen Schichten abgehängt werden.
Hurrelmann: Das fällt vor allem bei Eingewanderten auf. Junge Frauen mit Migrationshintergrund sind in der Schule heute deutlich besser als junge Männer mit identischer sozialer Ausgangssituation. Die Mädchen sehen viel schärfer, dass sie die Möglichkeit haben, aus ihrer Situation herauszukommen. Die Jungen fallen dagegen immer wieder auf das alte Macho-Männerbild zurück: der Mann als das per se bestimmende Geschlecht. Weil sie meinen, dass ihnen diese Rolle einfach zufällt, denken viele, sie müssten in der Schule nicht viel leisten. Sie wollen alles sein, bloß kein weibischer Streber. Sie bekommen eine klare Quittung dafür, die schlechteren Zeugnisse.
SPIEGEL ONLINE: Sie haben vor kurzem einen Aufsatz zum Thema geschrieben, in dem Sie auch die Bedeutung des Freizeitverhaltens betonen.
Hurrelmann: Die Freizeitgestaltung der beiden Geschlechter scheint direkt zu den Leistungsunterschieden zu führen. Die Mädchen sind vielfältiger und breiter interessiert. In der Freizeit beschäftigen sie sich nicht nur mit Medien, sondern auch mit Tanzen, Basteln, Stricken und Musizieren. Dadurch werden alle Sinne angesprochen, und das fördert die Leistungsfähigkeit, wie die moderne Hirnforschung uns bestätigt. Das würde auch Jungs gut tun: Hämmern, Sport machen, Bewegung. Aber viele Jungen machen den Laden zu und holen sich die große weite Welt lieber auf den Bildschirm. Sie bauen ihren Bewegungsdrang und damit ihre Aggressionen nicht ab. Das ist eine Entwicklung wie bei der Schere in den schulischen Leistungen: Von der steigenden Verfügbarkeit der elektronischen Medien sind die Jungs in einem ungleich höherem Ausmaß angezogen und nutzen sie unproduktiver. Auch hier liegt eine Herausforderung für die pädagogische Arbeit.
Das Interview führte Birger Menke
4. Rundschreiben – Schuljahr 2009/2010 Rundschreiben an alle Elternbeiräte der EVO-Gymnasien und EVO-Realschulen
An die Vorsitzenden der Elternbeiräte der Katholischen Gymnasien und Realschulen in Bayern
und den Vorstand der EVO
An die Schulleitungen und Schulträger der katholischen Schulen in Bayern
Für den Vorstand:
Monika Endraß
c/o Katholisches Schulwerk in Bayern
Adolf-Kolping-Str. 4
80336 München
Tel: 089-55 52 66
Fax: 089-55 53 78
E-Mail: KSWiB@t-online.de
http:\\www.schulwerk-bayern.de
München, 22.03.2010
Sehr geehrte Elternbeiräte, liebe Kolleginnen und Kollegen,
aus gegebenem Anlass übersenden wir Ihnen unsere Stellungnahme, die wir bei der Jahresmitgliederversammlung der LEV in Dillingen am 21.03.2010 zu dem aktuellen Thema abgegeben haben:
Stellungnahme der EVO zu Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung von Minderjährigen sowie Körperverletzungen in katholischen Internaten
Die EVO hat sich zusammen mit dem Elternbeirat des Benediktinergymnasiums in Ettal sowohl an den Generalvikar des Erzbistums München und Freising als auch an Bischof Ackermann von Trier gewandt. Bischof Ackermann ist der Sonderbeauftrage für Missbrauchsfälle in katholischen Einrichtungen, nominiert von der Dt. Bischofskonferenz.
Die gemeinsam vorgetragenen Anliegen der Eltern wurden definiert:
1. Wir erwarten das Zugehen auf die Opfer und die lückenlose Aufklärung aller Vorwürfe auf allen Ebenen, wobei die Opfer den Grad der Öffentlichkeit bestimmen sollten, den sie wünschen. Wir stimmen der vom Erzabt von St. Ottilien vorgeschlagenen Vorgehensweise zu. Er hat angekündigt, dass jedes einzelne Opfer um Verzeihung gebeten werden soll. Die Opfer sollten in diesen Gesprächen frei formulieren können, wie ihnen zum heutigen Zeitpunkt geholfen werden kann.
2. Wir sind gemeinsam mit den Eltern vor Ort der Demontierung kirchlicher Würdenträger aus Ettal entgegen getreten. Die Eltern in Ettal haben den besten Einblick in die heutige Situation und haben in überwältigender Mehrheit sowohl Abt Barnabas als auch Pater Maurus das Vertrauen ausgesprochen. Hierfür wurden sie seitens der Erzdiözese öffentlich in Anwesenheit der Presse gerügt, statt das direkte Gespräch mit ihnen zu suchen. Wir haben deswegen einen gemeinsamen Gesprächstermin mit dem Generalvikar nach Ostern. Dabei soll auch angesprochen werden, dass Eltern auf diese öffentlichen Äußerungen des Sprechers der Erzdiözese hin vor Ort von der Presse bedrängt worden sind. Gleiches gilt
für die dortigen Schüler, die auf dem Weg zur und von der Schule von Medienvertretern geradezu abgefangen worden sind. Wir betrachten es als unsere Fürsorgepflicht den jetzigen Schülern gegenüber, diese vor dem Druck der Medien zu beschützen und gleichzeitig aufzuzeigen, dass das heutige Ettal ein anderes ist als das Ettal vor Jahren.
3. Nach der sorgfältigen Aufklärung muss eine erhöhte Achtsamkeit an allen Schulen und Internaten institutionalisiert werden. Wir begrüßen daher die Anstrengungen, die gerade das Kloster Ettal im Dialog mit Opferorganisationen unternimmt, um nicht nur die völlige Offenheit zu gewährleisten, sondern für die Zukunft noch bessere Präventionsangebote unterbreiten zu können. Dabei sind insbesondere der Weiße Ring, der Kinderschutzbund und „Wir sind Kirche“ mit einbezogen.
4. Wir halten fest, dass alleine die Staatsanwaltschaft und die Gerichte die Vorwürfe zu klären haben. Wir betrachten die Vorgehensweise des öffentlichen und kommentierenden Verlesens von Mails von Opfern in einer Pressekonferenz seitens eines Rechtsanwalts nicht nur als standeswidrig, sondern auch wenig förderlich, das Gespräch der Opfer mit den Tätern bzw. den Vertretern des Ordens wieder in Gang zu bringen. Verzeihen und vergeben können nur die Opfer, deswegen sehen wir im Dialog die erste und beste Möglichkeit der Hilfe und des Aufarbeitens. Dieses ist eine leise Aufgabe und nicht geeignet, von den Medien kommentiert und begleitet zu werden.
5. Die Ordensschulen leben vom Vertrauen, das Eltern in sie setzen. In den Ordensschulen wird überragende Arbeit gerade im Bereich der Werteerziehung geleistet. Sie sind höchstrangige Kulturträger. Ordensschulen waren die ersten regulären Schulen überhaupt. Es waren Orden, die dafür sorgten, dass gerade Kindern von sozial benachteiligten Familien eine gute Bildung zukommt. Aus dieser Tradition hat sich das staatliche Schulsystem erst gebildet. In vielerlei Beziehung kann diese Tradition als vorbildlich gelten. So waren es Ordensschulen, die als erste das Kind in den Mittelpunkt stellten. Es waren Ordensschulen, die sich für eine verstärkte Mädchenbildung eingesetzt haben und an denen Informatik schon gelehrt wurde, als der staatliche Lehrplan hierzu noch vollständig schwieg. Und schließlich ein aktuelles Beispiel: Das Thema mittlere Führungsebene wird an vielen Ordensschulen bereits gelebt, während es im staatlichen System immer noch Widerstände der Lehrerverbände gibt. Es muss daher alles getan werden, was der Prävention in Zukunft dient, wobei zu beachten ist, dass sich bereits vieles verändert hat. Derzeit haben Ordensschulen gerade auf Grund ihrer guten pädagogischen Arbeit einen so hohen Zulauf, dass sie und gar nicht alle Schüler aufnehmen können. Wir erwarten daher, dass die Amtskirche den Ordensschulen den nötigen Freiraum für den Dialog mit den Opfern lässt. Dies befreit nicht nur die Opfer, die nun über ihre Verletzungen an Leib und Seele sprechen können, sondern bietet den heutigen Verantwortlichen Einblicke in die damaligen Abläufe und damit die Möglichkeit dazu zu lernen und ähnliches für die Zukunft so gut wie möglich zu verhindern. Dabei muss die Solidarität mit den Opfern als sichtbares Zeichen der Nächstenliebe nicht nur angesprochen, sondern umgesetzt werden. Weiterer Schaden im Ansehen und in der Glaubwürdigkeit durch ein nicht abgestimmtes Krisenmanagement muss vermieden werden. Wir sehen diese Krise als Chance für die Unterscheidung der Geister.
6. Wir erleben, dass nicht nur kirchliche Einrichtungen betroffen sind, sondern Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung ein gesamtgesellschaftliches Phänomen sind. Aus der Kriminologie wissen wir, dass zahlenmäßig die höchste Gefahr für Kinder, Opfer von Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung zu werden, innerhalb der Familien selbst besteht. Wenn wir alle also die Sicherheit der Kinder vor Übergriffen und Grenzüberschreitungen fordern, so müssen wir alle achtsam sein und Kinder gerade bei Veränderungen ernst nehmen. Hier sind alle aufgerufen, hinzuschauen und wahrzunehmen. Das können wir als Eltern letztlich auch nicht delegieren.
7. Wir werden uns als Elternvereinigung der Ordensschulen bei den Themen Aufarbeitung, Prävention und Offenheit über unsere Elternbeiräte in die weiteren Diskussionen einbringen und daran mitarbeiten, dass Kinder an unseren Schulen in Sicherheit und ohne Grenzüberschreitungen unterrichtet werden.
Dillingen, 21.03.2010
Monika Endraß
Wir regen für unsere EVO-Schulen an, die Passionszeit dafür zu nutzen, um Vergebung zu bitten und die Opfer in das persönliche Gebet einzuschließen.
Allen Verantwortlichen an unseren Schulen und Schulträgern, die täglich einen segensreichen Dienst tun, gebührt nicht nur unser Respekt und Dank, sondern auch unsere Unterstützung nach innen und außen.
Daher danken wir allen, die gerade in diesen schwierigen Tagen Solidarität mit unseren Schulen gezeigt und tatkräftig geholfen haben, die Probleme anzugehen und für einen lebendigen und offenen Dialog zu sorgen.
Unsere Schulen wurden immer wieder als Leuchttürme in der Bildungslandschaft Bayerns bezeichnet. Es ist in Zeiten wie diesen an jedem Einzelnen, dass es in und aus unseren Schulen weiterhin leuchtet, weil damit das Christentum im Schulalltag ein menschliches Antlitz erhält.
Wir grüßen Sie alle sehr herzlich und wünschen Ihnen eine ganz bewusst erlebte Karwoche und eine erfüllende österliche Zeit.
Monika Endraß Carmen Müller
1. Vorsitzende der EVO 2. Vorsitzende der EVO


Wolfgang Bergmann, 61, ist Erziehungswissenschaftler und Autor zahlreicher Aufsätze und Bücher (zuletzt erschienen: “Warum unsere Kinder ein Glück sind – wie Erziehung heute gelingt”). Seit 14 Jahren hat er eine Praxis für Kinderpsychologie und Lerntherapie in Hannover. Der frühere Journalist und Medienmanager ist Vater von drei Kindern.
In der Pubertät ist Schluss mit lustig. Vor lauter Schulstress verpassen viele Jugendliche das echte Leben – mit fatalen Folgen, sagt Psychologe Wolfgang Bergmann im SPIEGEL-ONLINE-Interview. Sein Rat: Statt Kinder zu hätscheln und zu gängeln, sollten Eltern für sie lieber mal eine Tür eintreten.
SPIEGEL ONLINE: Herr Bergmann, warum tun sich viele Jugendliche so schwer mit ihrer Pubertät?
Wolfgang Bergmann: Ein Grund ist sicherlich, dass wir eine viel zu lange Kindheit haben. Bei uns stecken Menschen mit 18, 19 Jahren noch im Kindstatus. Mutti stellt ihnen ihr Spiegelei hin, räumt die Unterwäsche weg und weiß stets, wann die nächste Mathearbeit ansteht.
SPIEGEL ONLINE: Beneidenswert, könnte man sagen.
Bergmann: Nein, denn zugleich müssen die Jugendlichen ja den enormen Anforderungen der Schule genügen. Unter diesem Druck führen sie heute ein zunehmend gespaltenes Dasein: Die verwöhnende Abhängigkeit, in der sie verfangen sind, ist durchsetzt mit starken Leistungsängsten.
SPIEGEL ONLINE: Ist die Schule den Pubertierenden nicht ziemlich unwichtig?
Bergmann: Nein, denn sie kommen kaum noch dazu, neben der Schule mal ganz andere Erfahrungen zu machen. Wir zwängen unsere Kinder über viele Jahre hinweg in das Korsett eines hoch intellektualisierten Bildungsverlaufs; es schwindet der Raum für Alternativen. Wenn ich mit 12 oder 13 eine Fünf in Mathe hatte, zog ich mit meinen Freunden in den Wald oder auf den Fußballplatz, und aus unseren Bolzereien ging ich zumindest körperlich gestärkt hervor. In diesem Bewusstsein konnte ich mich dann wieder mit meiner schlechten Arbeit konfrontieren.
SPIEGEL ONLINE: Sie meinen, heutige Kinder kennen nur die Schule und sonst nichts mehr?
Bergmann: Für die meisten ist die Schule der Inbegriff der Realität. Alternativ ist nur die Welt der Medien und deren Niederschlag in den Gruppen der Gleichaltrigen. Es gab noch nie zuvor eine Generation, die so sehr von Medien geprägt worden ist.
SPIEGEL ONLINE: Was ist daran schlecht?
Bergmann: Die Jugendlichen entwickeln ein sehr unrealistisches Ich-Ideal, weil es ihnen an Erfahrungen fehlt. Es speist sich vor allem aus Tagträumen und fiktionalen Glücksvorstellungen. Überall schweben ihnen Medienbilder vor Augen, die zum Nachahmen auffordern. In meiner Beratungspraxis erlebe ich oft, wie verzweifelt sie versuchen, diesen Idealen gerecht zu werden.
SPIEGEL ONLINE: Wie tun sie das?
Bergmann: Die Jungs weichen vor allem ins Internet aus; dort können sie sich unangefochten als Fabelhelden durch virtuelle Rollenspielwelten bewegen. Auch das Internet ist ja voller Glücksversprechen, die mit dem Leben draußen wenig zu tun haben. Mädchen inszenieren eher ihre reale Erscheinung, so in etwa nach dem Vorbild von “Germany’s Next Topmodel”. Bei mir in der Praxis erscheinen schon Zehnjährige so gestylt, als kämen sie auf eine Bühne. Die fühlen sich verpflichtet, perfekt zu sein. Das ist aber gar nicht einzulösen. Es ist gleichwohl der Anspruch, den unsere zunehmend rivalisierende und egozentrische Kultur ihnen vermittelt.
SPIEGEL ONLINE: Ist das Spiel mit Rollen nicht auch eine Kunst, die zu erlernen nützlich ist?
Bergmann: Vielleicht, aber das reale Ich ist damit überfordert; es sitzt in dieser medialen Selbstinszenierung am Armentisch. Das wahre Leben bei Mama und Papa, auf dem Schulhof, im Mathe-Unterricht hat mit den vorgegaukelten Idealbildern immer weniger zu tun. Für viele Jugendliche ist das ein Widerspruch, der sie fast zerreisst.
SPIEGEL ONLINE: Wie gehen sie damit um?
Bergmann: Ihr Ich-Ideal löst sich von der Realität, es spaltet sich ab. Sie imaginieren sich als großartig, gehen aber jeder Probe aus dem Weg. Diese Kinder sind völlig verzweifelt, wenn sie eine Fünf in Mathe haben, aber nichts auf der Welt kann sie dazu bringen, sich auf die nächste Arbeit vorzubereiten. Sie wollen sich dem Realen nicht stellen, das Ich-Ideal wäre dann gefährdet. Und das ist neu.
SPIEGEL ONLINE: Sehen Sie Möglichkeiten gegenzusteuern?
Bergmann: Meine computerabhängigen Jungs schicke ich in den Fußballclub oder zur Jugendfeuerwehr. Und wenn sie älter sind, dann versuche ich ihnen klarzumachen, dass diese Lara Croft ja sicherlich voll geil ist, aber so ein richtiges atmendes Mädchen mit warmen Brüsten, das ist einfach die radikalere Nummer.
SPIEGEL ONLINE: Was könnte die Schule tun?
Bergmann: Sie könnte die Tatsache anerkennen, dass ihre Schüler Körperwesen sind, sie könnte ihnen Hand- und Körpererfahrungen ermöglichen – das wäre die wirksamste Gegenkraft gegen die bis in die Tiefenschichten des Ich hineindringenden Medienbilder.
SPIEGEL ONLINE: Wie soll das in der Praxis funktionieren?
Bergmann: Wenn Sie eine Magersüchtige auf ein Pferd setzen, bekommt die plötzlich ein Körpergefühl. Ich weiß von einer Schule, die Bildhauer engagiert hat; da können die Kinder sich dann mit Hand und Begabung an der materiellen Realität abarbeiten. Sie bekommen dabei nicht nur ein stärkeres Gefühl für sich selbst, sie schaffen auch etwas, sie haben etwas vorzuzeigen. Die meisten 18-Jährigen dagegen haben kaum etwas gelernt außer ein bisschen Englisch und Aufsätzeschreiben, und selbst das nur für Noten. Sie wissen nicht, was Produktstolz ist, wie gut es tut, wenn man sagen kann: Das bin ich, das habe ich hervorgebracht.
SPIEGEL ONLINE: Die meisten Lehrer würden sagen, dass der Stoffplan leider keine Zeit für solche Luxuserfahrungen lässt.
Bergmann: Ja, leider. Und viele Eltern, getrieben von Zukunftsangst, pflichten bei und drängen auf Erfüllung. Selbst die Kinder haben das großteils schon verinnerlicht. Ich war mal bei einer Radiodiskussion, wo eine 18 Jahre alte Gymnasiastin erzählte, sie müsse 60 Stunden pro Woche arbeiten. Eine Rektorin war dabei, ein Mensch vom Kultusministerium, die nickten alle – für die war das keine überraschende Information. Ich fragte: Was machst du denn, wenn du dich verliebst? Die Antwort: Dafür habe ich keine Zeit, da schaffe ich das Abitur nicht.
SPIEGEL ONLINE: Wie können Eltern ihren Kindern beistehen?
Bergmann: Eltern können die zweite wichtige Gegenkraft sein – liebevolle Eltern, denen die gemessene Leistung ihres Kindes nicht an erster, sondern bestenfalls an dritter Stelle steht. Ich sehe, dass Jugendliche heute viel mehr als früher Bedarf an Erwachsenen haben, vor denen sie Respekt haben können. Wohlgemerkt: Respekt. Es geht nicht darum, andauernd auf den Tisch zu hauen und zu fordern, dass Grenzen gesetzt werden. Ich sage immer, so ein paar 15- oder 16-Jährige fertigmachen, das kann jeder Trottel. Aber ihren Respekt zu gewinnen, das ist gar nicht so einfach. Was den Jugendlichen fehlt, sind Erwachsene, die ihnen sagen; Pass auf, mein Großer, meine Große, das kriegen wir beide hin – wenn in deinem Leben eine Tür zuschlägt, dann machen wir eine andere auf, oder wir treten sie notfalls ein. Viel dringender als frühere Generationen sind sie auf Bindung und Halt angewiesen, um eine gewisse Selbstzuversicht aufzubauen; sie brauchen Erwachsene, vor denen sie einen bindungsstiftenden Respekt haben. Das ist aber ziemlich genau das Gegenteil eines “Lobs der Disziplin”.
Das Gespräch führte Manfred Dworschak
Liebe Eltern,
anlaesslich des Informationsabends am 3. März in der Aula haben Abt Petrus, Hr. Günzel und Hr. Sagmeister das Thema Missbrauch und die Bedenken der Eltern angesprochen. Der SZ-Artikel gibt den Tenor gut wieder.

Von Tanjev Schultz
Fesche Räume und neue Computer – aber keine überprüfbaren Qualitätsstandards: Weil Schulen überfordert sind, boomt in Deutschland der Markt mit der Nachhilfe.
Bild vergrößern1,1 Millionen Kinder nehmen in Deutschland regelmäßig bezahlten Unterricht. Foto: AP
Die Halbjahreszeugnisse stehen bevor, viele Schüler sehen ihnen mit gemischten Gefühlen entgegen. Zuversichtlich sind dagegen die Anbieter privater Nachhilfe: “Noch ist Zeit, Defizite auszugleichen”, sagt Gerd Garmaier, Chef des bundesweiten Nachhilfeverbands. Für dessen Institute beleben schlechte Zeugnisse das Geschäft, wie eine neue Studie der Bildungsforscher Annemarie und Klaus Klemm belegt: In Deutschland nehmen 1,1 Millionen Schüler regelmäßig bezahlten Unterricht. Insgesamt legen die Eltern dafür im Jahr mindestens 940 Millionen Euro hin; laut einer weniger vorsichtigen Berechnung sogar 1,5 Milliarden Euro. Besonders hoch sind die Ausgaben in Hamburg und Baden-Württemberg, eher gering in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern.
Nicht genug gefördert
Für die Bertelsmann-Stiftung, die die Studie in Auftrag gegeben hat, sind diese Zahlen “ein ernstzunehmendes Signal”. Offenbar hätten viele Eltern den Eindruck, dass ihre Kinder in der Schule nicht gut genug gefördert würden. In Ländern wie Kanada oder den Niederlanden sei private Nachhilfe viel weniger verbreitet. In Deutschland beginnt das Geschäft mit den Schulproblemen dagegen schon in den ersten Klassen. Bundesweit nimmt etwa jeder siebte Grundschüler Nachhilfe, heißt es in der Studie. Der Berliner Experte Dieter Dohmen, Autor einer anderen Studie zu dem Thema, hat beobachtet, dass nun zunehmend auch gute Schüler Nachhilfe nehmen, um so noch besser zu werden.
Viele Eltern staunen, was für ein großer und unübersichtlicher Markt da entstanden ist. Längst sind es nicht mehr nur ältere Schüler, Studenten oder pensionierte Lehrer, die Nachhilfe geben, sondern kommerzielle Institute mit feschen Unterrichtsräumen und neuen Computern. Aus Sicht des Nachhilfeverbands “steht außer Frage”, dass der Unterricht außerhalb der Schule positive Effekte hat.
Gute und schlechte Erfahrungen
Methodisch saubere Studien dazu sind aber rar, sagen dagegen die Bildungsforscher Annemarie und Klaus Klemm. Bei 1,1 Millionen Schülern, die Nachhilfe nehmen, gibt es sicher gute und schlechte Erfahrungen.
Anne Blomeyer, Mutter von drei Kindern, ist dafür ein gutes Beispiel. Ihre beiden Töchter besuchen ein fränkisches Gymnasium, zeitweise haben sie Nachhilfe bekommen, um sich in Mathe und Latein zu verbessern. Das hat auch ganz gut geklappt.
Schwieriger ist es mit dem Sohn, der zurzeit die dritte Klasse wiederholt. Die Lehrerin empfahl der Mutter schon in der zweiten Klasse, sich um Nachhilfe zu kümmern, weil das Kind beim Lesen und Schreiben zu schwach war. “Die Schule war überfordert”, ärgert sich Anne Blomeyer. Also schickte sie ihren Sohn nachmittags in ein privates Institut, monatlich kostete das die Familie gut 150 Euro. Auch der Junge war von den Extratouren genervt, mittlerweile hat die Mutter die Nachhilfe selbst in die Hand genommen und übt daheim mit ihrem Sohn.
Kommerzielles Nebenschulsystem
Die Qualität der Nachhilfe an den privaten Instituten ist oft nur schwer einzuschätzen. In einer Expertise des Bundesbildungsministeriums heißt es, “wenig bis gar keine Informationen” gebe es über die Qualifikation der Nachhilfelehrer. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft hat bereits gefordert, das “kommerzielle Nebenschulsystem” der staatlichen Schulaufsicht zu unterstellen. Die Bertelsmann-Stiftung empfiehlt, die Förderangebote an den regulären Schulen auszuweiten und so zu verbessern, dass sich Eltern die Nachhilfe sparen können.
Von Christian Rost
Trotz drohender Verweise und eisigen Temperaturen war die Stimmung bei den Protesten gegen das G8 bestens. Selbst die Politiker zeigten sich einsichtig.
 Die Schüler im verkürzten Gymnasium leiden unter der Stofffülle und dem Leistungsdruck – jetzt gehen sie auf die Straße. Foto: ddp
Wenn die Stimmung in den Schulen nur halb so gut wäre wie hier auf der Demo: 2500 Schüler stehen am Freitag am Odeonsplatz und frieren nicht, trotz markanter Minusgrade. Zum Hiphop, den Lautsprecher von der Ladefläche eines weißen Lastwagens über die Köpfe hinweg blasen, hüpfen die Schüler auf dem schneebedeckten Pflaster auf und ab. Und was dazwischen die Redner von den Elternverbänden, der Erziehungsgewerkschaft oder den bayerischen Oppositionsparteien ins Mikrophon rufen, wärmt den Jugendlichen das Herz. “Ihr habt mit allen Forderungen recht!” So sichert sich Ulrich Pfaffmann, bildungspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion im Landtag, donnernden Applaus.
Es ist Bildungsstreik am Tag der Zwischenzeugnisse, nicht nur in München, sondern in ganz Bayern. Bei landesweit sechs Kundgebungen begehren die Schüler gegen die Zustände im achtjährigen Gymnasium auf. Die Dauerbaustelle kommt einfach nicht zur Ruhe, seit die frühere Kultusministerin Monika Hohlmeier auf Anordnung ihres Chefs Edmund Stoiber über Nacht die Schulzeit um ein Jahr gekappt hat. “Bestmögliche Ausbildung im international üblichen Zeitrahmen” und “voller Erfolg” jubelte Hohlmeier vor genau fünf Jahren, als sie nach einem halben Jahr G8 etwas früh Bilanz zog. Heute hat ihr Nach-Nachfolger Ludwig Spaenle noch immer das Problem, das G8 wieder mal reformieren zu müssen angesichts andauernder Schüler- und Elternproteste.
Für Spaenle dürfte das G8 inzwischen schon zum Synonym geworden sein für den “Gang nach Canossa”. Und auch am Freitag auf der Kundgebung gegen seine Politik gibt er wieder mal den Geläuterten: Er sei zur Demo gekommen, um “zuzuhören und zu lernen”, ruft er in die vielen Buhs hinein. Die Schüler sind perplex, und nicht wenige sehen so aus, als hätten sie lieber einen CSU-Politiker alter Art vor sich, den man wegen seiner Sturheit schön niederbrüllen kann. Und nicht einen, der sofort verspricht, er sorge “für Lösungen, notfalls an jeder einzelnen Schule”.
Mal sehen, ob die Probleme diesmal wirklich angegangen werden. Dass die Schüler im verkürzten Gymnasium unter der Stofffülle und dem Leistungsdruck leiden, ist lange genug bekannt. Mit dem ersten G8-Jahrgang ist dieser Druck jetzt allerdings in der Oberstufe angekommen. Und die Jugendlichen in der Q11 sind nun alt genug, um sich das nicht mehr gefallen zu lassen. “Man hat für nichts mehr Zeit”, klagt der 17-jährige Lucas vom Gnadenthal-Gymnasium in Ingolstadt, der mit 100 Mitschülern zur Demo nach München gekommen ist. Früher war er dreimal die Woche beim Bogenschießen und hat Fitnesstraining gemacht. “Jetzt ist nur noch Lernen und Schule bis in die Nacht”, sagt der Elftklässler. Sein Schülerkollege Janis, 17, aus Neutraubling bei Regensburg hat vor den Schulbüchern schon kapituliert.
In Mathe habe er wahrscheinlich nur einen Punkt im Zwischenzeugnis, er weiß das allerdings noch nicht genau, weil er wie die anderen Streikenden am Freitag den Unterricht hat sausen lassen und sich sein Zeugnis erst nach den Faschingsferien abholt. Sandra, ebenfalls 17 und vom Landraf-Leuchtenberg-Gymnasium in Grafenau, ist selbst “gar nicht so schlecht” in der Schule. Doch der Lernstress, das ewige Auswendiglernen, das geht ihr gewaltig gegen den Strich. Bei diesem Thema gerät Wilfried Roggenkopf richtig in Fahrt. Der selbständige Tourismusexperte hat zwei Töchter am Berthold-Brecht-Gymnasium in München und sagt: “Die arbeiten mehr als ich.” Schule als Selbstzweck dürfe nicht sein. “Mir tun die Kinder wirklich leid”, schimpft Vater Roggenkopf.
Für ihren Mut, auf die Straße zu gehen, werden die Schüler am Freitag bewundert: Als die Demo-Gemeinde ihre Kundgebungen unterbricht, um in einem fast zwei Kilometer langen Zug durch die Innenstadt zu “chillen”, sind die jungen Damen in den Boutiquen an der Maximilianstraße recht angetan von dem Spektakel: Bei der Parade hämmert vorneweg der Laster mit Musik, drei Mädchen aus Ingolstadt tragen rosa Hasenkostüme, eine Schülerin spielt Klarinette, ganz in sich versunken.
Mit Tomate gegen die Tücken des Turbo-Abiturs
Sie fordern mehr Zeit zum Lernen, kleinere Klassen und mehr Lehrer: In Bayern haben Tausende Schüler gegen die Verkürzung der Gymnasialzeit von neun auf acht Jahre demonstriert. Viele Eltern und Lehrer schlossen sich an. Kultusminister Ludwig Spaenle traf ein Tomatenwurf an der Schulter.
Rund 5000 Schüler, Lehrer und Eltern haben am Freitag in Bayern für die Rückkehr zur neunjährigen Gymnasialzeit demonstriert. Sie forderten weniger Schulstunden pro Woche, leichtere Aufgaben im Abitur, mehr Lehrer und kleinere Kurse. Auf Plakaten stand “G8 – nimmt uns die Nacht”, “Wir sind überarbeitet, nicht die Lehrpläne” oder “G8 – Hirntotverdacht”. Ein zorniger Schüler warf eine Tomate nach dem bayerischen Kultusminister Ludwig Spaenle und traf ihn an der linken Schulter.
Vor der Demonstration hatte Spaenle die Aktion als “Provokation” bezeichnet und gesagt, sie verletze die Schulpflicht. Er wurde sofort ausgepfiffen, als er die Bühne in München betrat, und kam erst zu Wort, nachdem einer der Organisatoren die Demonstranten um Ruhe gebeten hatte. Seine Teilnahme an einer Diskussionsrunde auf der Bühne sagte er nach dem Tomatentreffer ab.
“Ich sag ja nicht, dass es perfekt ist”, so Spaenle zu den Demonstranten. Jede einzelne Schule müsse den Stundenplan individuell prüfen. Zudem kündigte er einen Vergleich der Halbjahresnoten zwischen G8 und G9 an. Der Prozess der Umstellung sei schwierig; damit könne man “politisch keinen Blumentopf gewinnen”.
“Der Stress geht schon in der Früh los”
Allein in München versammelten sich bei Schnee und Minusgraden rund 2500 Demonstranten, noch mal so viele gingen in Augsburg, Bamberg, Bayreuth, Kempten und Würzburg auf die Straße.
“Ich habe 39 Wochenstunden und keine Zeit für Freizeit”, sagte die 17 Jahre alte Julia Biermeier, eine der Mitorganisatorinnen des Streiks. An drei Tagen pro Woche habe sie keine Mittagspause und bekomme erst um vier Uhr nachmittags etwas zu essen. “Wir wollen, dass für die Schüler, die nach uns kommen, was getan wird”, forderte die Elftklässlerin.
Auch ihre Mutter marschierte bei der Demo mit. “Der Stress geht schon in der Früh los”, sagte sie. Die Nerven der Schüler lägen blank, weil ihnen der Ausgleich fehle. Ähnlich sei es im Studium: “Bis sie ins Berufsleben eintreten, brauchen sie die erste Kur.”
Klaus Wenzel, Präsident des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands, erklärte sich in einer Rede solidarisch mit den Schülern. “Bildung ist zu wichtig, als dass man sie nur den Politikern überlassen sollte”, sagte er. Die Demonstrationen seien “gelebte Demokratiepädagogik” und “Politikunterricht vom Feinsten”.
vet/apn/dpa
Der Elternbeitrat weist auf folgende hoch interessante und aktuelle Informationen zum Thema G8, G9, Abitur und Stuienplätzen hin:
Infos zum Ausbau von Studienplätzen sind unter www.studieren-in-bayern.de, sowie allgemeine Informationen unter www.gymnasium.bayern.de/gymnasialnetz/oberstufe/ zu finden!
Musterabituraufgaben G8 unter www.isb-oberstufegym.de und weiter Abiturprüfung – Muster-Abitur für die Prüfungen ab 2011!
Infos zu den Kürzungen der Lehrpläne G9 unter www.stmuk.bayern.de/km/publikationen/amtsblatt/kwmbl-beiblatt-2008-19.pdf
www.verkuendung-bayern.de/files/kwmbl/2009/01/kwmbl-beiblatt-2009-01.pdf
|
|
Letzte Kommentare